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Björndalen bleibt der "König von Schalke"

Von Jens Mickler

Ole Einar Björndalen bleibt der "König von Schalke". Bereits zum dritten Mal in Folge sicherte sich der Norweger den Sieg in der mit Kunstschnee ausgestatteten Gelsenkirchener Arena.

Ullrichs feines Gespür

"Oh, wie ist das schön"

Vertrag für die nächsten vier Jahre

Warnecke gewinnt Promi-Rennen

Lange Zeit hatte sich Warnecke ein spannendes Duell mit Speerwerferin Steffi Nerius geliefert, die am Ende Dritte wurde. Auf Platz zwei schob sich noch Box-Weltmeisterin Ina Menzer. Nur unter ferner liefen: Joachim Hermann Luger. Der "Vater Beimer" aus der ARD-Serie "Lindenstraße" hatte zur Vorbereitung eigens ein Schießtraining im Schützenverein seines Wohnortes Bochum absolviert. Doch reichte es für ihn trotz großen Kampfes nur zum zwölften und damit letzten Platz.

"Nervlich belastender als ein Weltcup"

Von Jens Mickler

Es ist schon fast Tradition: Zwischen Weihnachten und Silvester macht die internationale Biathlon-Elite Station "in der Provinz" (Bundestrainer Frank Ullrich). Auf Schalke werden am 30. Dezember wieder 50.000 Fans zum sogenannten World Team Challenge erwartet, der zum vierten Mal ausgetragen wird. Es ist die größte Kulisse bei einem Rennen dieser Sportart überhaupt.

Kati Wilhelm bei ihrem ersten Weltcupsieg der Saison in Hochfilzen Anfang Dezember; Rechte: AP
Kati Wilhelm startet wieder mit Ricco Groß.
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Auch Deutschlands Spitzenathletin Kati Wilhelm fiebert dem Ereignis schon jetzt entgegen. "Ein Rennen auf so engem Raum in einer solchen Arena mit dieser wahnsinnigen Kulisse - extremer geht es nicht", sagt die zweimalige Olympiasiegerin zu sport.ARD.de.

Gemeinsam mit Partner Ricco Groß bildet die Thüringerin eines der zwölf Zweier-Teams und zählt diesmal zu den Top-Favoriten auf den Sieg. Schließlich erwischte Kati Wilhelm einen blendenden Start in die Saison. Beim Weltcup in Osrblie holte sich die 29-Jährige jüngst das Gelbe Trikot der Weltcup-Gesamtführenden zurück. Für Schalke sei das aber keine Erfolgs-Garantie. Kati Wilhelm: "Das Rennen auf Schalke ist nicht wirklich mit Biathlon zu vergleichen, sondern eher ein Schießwettkampf. Wenn man einmal in die Strafrunde muss, dann ist ein Rückstand nur sehr schwer wieder aufzuholen." Eine Loipen-Runde misst auf Schalke nur knapp 1.000 Meter, 17 Runden werden absolviert. Jeder Athlet muss also viermal stehend und viermal liegend auf die fünf schwarzen Plättchen zielen.

"Eher ein Schießwettkampf"

Beim Liegendschießen auf Schalke; Rechte: dpa
Beim Liegendschießen auf Schalke.
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Auch wenn es hauptsächlich ums Schießen und den Showcharakter geht, sieht Kati Wilhelm das Rennen dennoch als gutes Training: "Wenn man es schafft, vor so einer Kulisse nervlich zu bestehen, dann braucht man auch keine Angst vor den Weltcup-Rennen in Oberhof und Ruhpolding zu haben." Schalke sei sogar nervlich belastender als ein Weltcup-Rennen, empfindet Kati Wilhelm, "weil man genau weiß, wieviele Zuschauer beim Schießstand auf einen schauen." Nervenstärke - die hat sie zuletzt bewiesen und will nun auch beim Show-Spektakel auf Schalke erfolgreich sein. Wilhelm:. "Dazu sind wir viel zu sehr Leistungssportler, als dass wir keinen Ehrgeiz entwickelten, um auch dort gut zu sein."

"Nach Olympia wäre besser"

Bundestrainer Frank Ullrich mit Schalke-Manager Rudi Assauer; Rechte: dpa
Bundestrainer Frank Ullrich mit Schalke-Manager Rudi Assauer
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Auch Männer-Bundestrainer Frank Ullrich sieht durchaus einen sportlichen Nutzen des Schalke-Biathlons. "Psychisch können die Athleten sehr resistent aus dieser Veranstaltung herausgehen", sagt Ullrich zu sport.ARD.de. Eher negativ wertet er den Zeitpunkt des Schalker Rennens - vor allem im Hinblick auf die anstehenden Oylmpischen Winterspiele in Turin. Ullrich: "Diese Veranstaltung ist nicht ganz einfach für uns zu händeln. Schalke ist mit viel Stress verbunden. Die Athleten reisen zunächst wieder in ihre Heimatorte, um Silvester zu feiern. Dann steht schon der Weltcup in Oberhof vor der Tür." Lieber würde es der Coach sehen, wenn man den Schalke-Biathlon beispielsweise direkt auf einen der Tage nach Turin gelegt hätte. Frank Ullrich: "Dann hätten die Zuschauer sogar mögliche Olympiasieger genießen können."

Björndalen wieder dabei

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Vorfreude auf das Biathlon-Spektakel

Audio-Link [wdr2; 30.12.05]

Der norwegische Ausnahmekönner Ole Einar Björndalen, der mit Linda Tjörhom ein Team bildet, tritt jedenfalls auch einen Tag vor Silvester gerne in Gelsenkirchen an. Schließlich wird sein Start mit einer stattlichen Antrittsgage versüßt. Diese entgeht den deutschen Stars Uschi Disl und Sven Fischer, die sich gegen einen Start beim World Team Challenge entschieden haben. Dafür treten vier weitere deutsche Teams an: Simone Denkinger und Andreas Birnbacher, Katrin Apel und Daniel Graf, Katja Beer und Michael Rösch sowie Andrea Henkel und Michael Greis. Letzterer weiß, wie es auf Schalke geht. Vor drei Jahren holte er mit Martina Glagow dort den bislang einzigen deutschen Sieg.

"Turbo-Disl" auf dem Thron

Uschi Disl ist als erste Biathletin überhaupt zu Deutschlands "Sportlerin des Jahres 2005" gewählt worden. Bei den Männern gewann am Sonntagabend (18.12.) Kombinierer Ronny Ackermann, Team des Jahres wurde die deutsche Basketball-Nationalmannschaft.

WM-Doppelgold war "Krönung der Laufbahn"

"Turin sind meine letzten Olympischen Spiele"

Auch für die Zeit nach der aktiven Laufbahn hat die BGS-Polizeiobermeisterin schon feste Pläne. Sie möchte Kinder haben. "Und mir schwebt vor, als TV-Expertin weiter beim Biathlon dabei zu sein. Gespräche dazu sind schon gelaufen. Denn eines weiß ich schon genau. Der Abschied wird mir sehr schwer fallen, denn ich bin mit Herzblut dabei."


Uschi Disl ; Rechte: dpa
Uschi Disl gewann die Sportlerwahl als erste Biathletin überhaupt.
Disl - seit über 15 Jahren erfolgreich im Weltcup-Zirkus dabei - setzte sich mit 3088 Stimmen deutlich vor Eisschnellläuferin Anni
Friesinger (2518) sowie Diskus-Dame Franka Dietzsch (1876) durch. Wie keine andere Frau steht die Mooshamerin für den Biathlon-Aufschwung von einer Randsportart zum TV-Winterhighlight. Zu Beginn ihrer Karriere in den 80er Jahren noch als "Flintenweib" verspottet, ist Uschi "Turbo-Disl" mittlerweile zum Publikumsliebling geworden. Grund für die Wahl zur besten Sportlerin des Jahres war der unverhoffte Dopelsieg bei der Weltmeisterschaft im März in Hochfilzen. Zuvor war sie fast immer seit dem ersten Weltcupsieg 1991 in Les Saisies als Mitfavoritin angetreten, nie hatte sie aber als Solistin Gold errungen.

Uschi Disl; Rechte: dpa
Im März 2005 gelang Uschi Disl der goldene Doppelschlag.
"Die großen Rennen sind wohl nicht mein Ding. Irgendwie fehlt
mir immer das letzte Quentchen Glück", meinte sie schon in Nagano, als ihr nicht einmal eine Sekunde zum Sprint-Olympiasieg fehlte. Vier Jahre später in Salt Lake City gab es wieder nur Silber. Dann endlich 2005 gelang ihr mit dem doppelten WM-Einzelgolg der lang erhoffte große Wurf. "Das ist die Krönung meiner Laufbahn. Es sind die schönsten Tage, die ich wohl nie vergessen werde", sagte sie.

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Uschi Disl: Bilder einer Karriere
Bei ihren fünften olympischen Spielen im Februar will Disl noch einmal angreifen. "Turin werden auf alle Fälle meine letzten Olympischen Spiele sein. Ob der Winter auch die letzte Saison sein wird, entscheide ich erst im Frühjahr", sagte sie zu Spekulationen um das Karriereende. Allerdings hat sie sich eines fest vorgenommen: "Ich werde im kommenden Frühjahr erstmals seit 1993 wieder länger als eine Woche Urlaub machen, will nach Neuseeland fahren."

Siegerteam aus Norwegen: Björndalen und Tjörhom; Rechte: RBB/Mickler
Strahlende Norweger: Ole Einar Björndalen und Linda Tjörhom
Diesmal hatte der Weltklasse-Athlet Linda Tjörhom an seiner Seite. In den Vorjahren lief Björnalen mit Gunn Margit Andreassen (2003) und Liv Kjersti Eikeland (2004) zum Sieg. "Ich habe das Glück, dass wir in Norwegen ein starkes Frauenteam haben", sagte der fünffache Olympiasieger. Warum er erneut die Partnerin wechselte? "Linda ist die Beste von allen. Sie war phantastisch", jubelte Björndalen im Ziel. In der Tat liefen Björndalen/Tjörhom fast ein einsames Rennen. "Die Überlegenheit der Norweger war ein bisschen groß", meinte auch Jupp Schnusenberg, der Finanzchef von "Hausherr" Schalke 04, der das Spektakel mit seinen Enkelkindern verfolgte.

Kati: "Müssen uns nicht eingraben"

Nur die russische Paarung Olga Zaitseva und Sergej Rozhkov konnte dem Siegerteam zeitweise Paroli bieten. Dritte wurden die Franzosen Sandrine Bailly und Vincent Defrasne. Auch die deutschen Starter gingen beim Björndalen-Festival ein wenig unter. Kati Wilhelm und Michael Greis kamen als bestes deutsches Team auf Rang vier, dicht gefolgt von Simone Denkinger und Andreas Birnbacher als Fünfte. "Es hat wieder viel Spaß gemacht, die Stimmung war toll. Aber es waren heute drei Teams besser als wir. Im Vergleich zu den Vorjahren musste ich heute keine Strafrunde laufen. Wir müssen uns also nicht eingraben", meinte Kati Wilhelm, die bislang alle Schalke-Biathlons mitmachte, diesmal aber erstmals mit Michael Greis für den erkrankten Ricco Groß startete.

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Der Schalke-Biathlon in Bildern
Frank Ullrich, Bundestrainer der Biathlon-Männer, hatte schon im Vorfeld auf die Konkurrenz getippt: "Ich sehe die Norweger und die Russen vorne", prophezeite Ullrich. Bei dieser "Wahnsinnskulisse" laste gerade auf den deutschen Startern ein enormer Druck, so Ullrich, "und der Adrenalinausstoß ist beim Schießen nicht gerade hilfreich."

In der Schleifzone; Rechte: RBB/Mickler
In der Schleifzone herrschte Hochbetrieb.
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Der Stimmung in der mit 52.000 Zuschauern ausverkauften Arena tat das keinen Abbruch. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, 2.500 Kubikmeter Schnee aus der Neusser Skihalle und reichlich Glühwein kam echte Wintersport-Atmosphäre in der Riesenhalle auf, die sonst dem Fußball gehört. Und als das Schlussfeuerwerk am Abend gezündet wurde, hallte es sogar von den Rängen: "Oh, wie ist das schön - so was haben wir lange nicht gesehen".

Die Biathlon-Fans im Ruhrgebiert dürfen sich auch in Zukunft freuen. Schalkes Manager Rudi Assauer kündigte an, dass man auch in den nächsten vier Jahren das Biathlon-Event in den Sport-Tempel holen werde. "Wir stehen kurz vor Abschluss eines neuen Vertrages", sagte Assauer. Beim Prominentenrennen im Vorfeld der Hauptveranstaltung war der Manager nicht so erfolgreich. Der 61-Jährige landete nur auf dem zehnten Platz von zwölf gestarteten Teams.

Mark Warnecke mit Kati Wilhelm; Rechte: RBB/Mickler
Kati Wilhelm erklärt Mark Warnecke die Technik.
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In der bereits gut gefüllten Arena zeigte Schwimm-Weltmeister Mark Warnecke am Schießstand die besten Nerven. Warnecke gewann mit seinem jungen Partner Christian Fichna (SK Winterberg), der für ihn in die Loipe gegangen war. Der Essener erlaubte sich sogar, einmal auf die Scheibe von Nebenmann Assauer zu schießen. "Die Scheiben trifft auch ein Blinder. Trotzdem habe ich zweimal daneben geschossen", meinte Warnecke spitzbübisch.

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